Überschrift:
Vielstimmig: der Nachhall der Moderne
Zeitschrift:
DB Mobil 03/04
Datum: 10.02.2004
über den Künstler: 4 und 4
Øystein Aasan
Jules Balincourt
Matthew Buckingham
Harun Farocki
Regina Möller
Julianne Swartz
Joe Zucker
GUP- py
über die Ausstellung: 4 und 4: curator’s choice New York/Berlin

Es war ein Herzenswunsch von Peter Raue, dass auch der "Gebrochene Obelisk" in Berlin zu sehen ist. In der Skulptur von Barnett Newman, erz�hlt der Vorsitzende des Vereins der Freunde der Nationalgalerie, verbinde sich Labilit�t mit Stabilit�t - und wie eine moderne Waffe bohre sich der Obelisk in den Boden. "Es ist ein formal �berirdisches Kunstwerk", begeistert sich Raue. Dass dieses Werk jetzt vor der Nationalgalerie wie ein Wahrzeichen f�r die Ausstellung "Das MoMA in Berlin" steht, ist seiner Leidenschaft f�r die Kunst zu verdanken. Er �berzeugte Glenn Lowry, den Direktor des Museum of Modern Art [MoMA] in New York, Teile der weltber�hmten Sammlung w�hrend der Renovierung des MoMA in der Neuen Nationalgalerie zu zeigen � als einzigem Ort in Europa. Den Ausstellungsmachern lag nicht an einer "kalenderartigen Pr�sentation" von Meisterwerken, betont Raue. "Es muss so sein, dass jeder denkt: Das habe ich alles noch nie in meinem Leben gesehen!" Was ihn �berrascht hat, ist der radikale Bruch in der Entwicklung der Sammlung: Bis 1950 mit Werken von C�zanne, Picasso, Monet, Manet, Dal�, Chagall und Matisse fast ausschlie�lich europ�isch gepr�gt, kaufte das MoMA [abgesehen von Gerhard Richters Baader-Meinhof-Zyklus] ab 1950 fast nur Arbeiten von Amerikanern an. Mehr als achteinhalb Millionen Euro kostet die �berwiegend von Sponsoren finanzierte Ausstellung, die 700.000 Besucher anlocken soll. Das Spektrum reicht von sp�ten Impressionisten �ber Werke der klassischen Moderne bis zur zeitgen�ssischen Kunst. "Es ist ein R�ckblick auf die Moderne anhand ihrer Spitzenleistungen", erl�utert Angela Schneider, stellvertretende Direktorin der Nationalgalerie und Kuratorin der Schau. Das Rahmenprogramm "American Season" spiegelt mit Vortr�gen, Ausstellungen, Theater- und Musikprojekten die Wechselwirkung zwischen deutscher und US-Kultur. So l�dt zum Beispiel die American Academy zu Gespr�chsabenden ein, an denen Kuratoren und Kunsthistoriker diskutieren, wie Museen die Kunstgeschichtsschreibung und das Verst�ndnis von Kunst beeinflussen. In der Galerie M�llerdechiara ist unter anderem eine audiovisuelle Installation von Matthew Buckingham zu sehen: Ein Dia zeigt jenen Raum in London, in dem Samuel Johnson im 18. Jahrhundert elf Jahre damit verbracht hat, das erste englische W�rterbuch zusammenzutragen - Grundlage des Oxford Dictionary. Die Ausstellung ist bis zum 19. September zu sehen.

Druckversion