|
Seit Oktober 2001, seit 3 Jahren also, ist die Galerie m�llerdechiara in Berlin am Rosa-Luxemburg-Platz ans�ssig. Curator�s Choice � f�r dieses aktuelle Projekt hat die Galerie je vier Kuratoren aus New York und Berlin eingeladen, einen K�nstler f�r die Ausstellung 4 und 4 vorzuschlagen. New York ist dabei kein Zufall, zumal es noch eine Niederlassung der Galerie in New York gibt; zum anderen will m�llerdechiara zeitgleich mit der Berlin Biennale und der Pr�sentation des MoMA in der Stadt die beiden Kunstszenen zusammenbringen und ein gemeinsames Projekt auf die Beine stellen. Acht K�nstler werden nun ausgestellt, und zwei davon sind Claudia Wheeler bei ihrem Rundgang durch die Galerie besonders aufgefallen:
Die Klanginstallation von Nadine Robinson ist ein Blickfang, 63 Lautsprecher in verschiedenen Gr��en, eingebettet in einzelne wei�e Holzplatten, sind zu einem gro�en Wandbild zusammengesetzt. Ein Wust an Kabel verbindet dieses Gem�lde mit sechs Plattenspielern, die vor der Wand auf dem Boden stehen und einen Song in verschiedenen Geschwindigkeiten abspielen. Bei genauerem Hinh�ren kann man den Blues erahnen, der in diesem Klangteppich steckt. �Tower Hollers� hei�t die Installation der jungen farbigen K�nstlerin, was demgem�� mit �Tongeschrei� �bersetzt werden kann. Nadine Robinson hinterfragt in dieser wie in vielen ihrer anderen Arbeiten auch das Verh�ltnis zwischen Arm und Reich, stellt Benachteiligung neben Privilegen.
Nadine Robinson: Es gibt ja eine sehr schockierende Hierarchie, es ist ganz klar definiert, wer Arbeiter ist, wer Gesch�ftsf�hrer, wer Laufbursche. Urspr�nglich wollte ich f�r einen Tag die Musik im World Trade Center �ndern, also anstatt Kaufhausmusik schwarze Arbeitermusik aus den 30er Jahren spielen. Ich wollte sehen wie die Leute reagieren, wenn sie diese Musik h�ren, die urspr�nglich aus den Slums kommt. Also, �Holler� ist eine Art Sprechgesang, den die Arbeiter aus dem S�den gesungen haben, um sich den Tag angenehmer zu machen als er wirklich war. Ich habe den Song �Oh Hanna don�t rise until the judgement day� gew�hlt, also: Man m�chte, dass die Sonne bis zum j�ngsten Tag nicht mehr aufgeht.
Die Beschallung des World Trade Center kam aus Kostengr�nden nie zustande, und so setzte Nadine Robinson ihre Idee in eine Klanginstallation um und vervielfachte und verfremdete das Lied der Arbeiter zu einer gro�en Klage der Arbeiter, die nun aus dem Lautsprecher in den Galerieraum dringt. Mit der Zerst�rung der Twin Towers vor drei Jahren bekam ihre Arbeit eine ganz andere Dimension, sie wurde in der New Yorker Kunstszene wider Willen als prophetisches Kunstwerk ein gro�er Erfolg.
N.R.: Urspr�nglich waren die Lautsprecher zu einen hohen Turm �bereinander geschichtet, doch dann haben die Leute angefangen, der Arbeit eine hellseherische Qualit�t zuzusprechen, sie haben den Song analysiert. Diese Arbeit wurde auf einmal zu einen Denkmal erhoben, es ist aber kein Denkmal, es geht um die Arbeiter, die im World Trade Center t�tig waren, und um ihr Verh�ltnis zu einem sich immer mehr ausbreitenden Kapitalismus, wof�r das Geb�ude des World Trade Center stand.
Die Klanginstallation der New Yorkerin findet fast eine Fortsetzung in der begehbaren Installation �Towers� von Eva Maria Wilde. Das Interesse der Berliner K�nstlerin gilt aber weniger den Menschen als der Stadt, der sie ihre eigene malerische Seite abgewinnt. �berlebensgro�e T�rme stehen mitten im Galerieraum; es sind in- und �bereinander gesetzte d�nne Holzplatten, die mit Klebeband und Arcylfarbe bearbeitet sind. Nicht die Architektur, die Fassade ist das Thema, die Spielfl�che. Eva Maria Wilde arbeitet die rasterartigen Fassadenstrukturen der Wohn- und B�ror�ume heraus; diese wirken oft, einzeln betrachtet, wie abstrakte Farbfl�chen, die in flirrenden Farbkontrasten gegeneinandergesetzt sind. Dann wird man aber immer wieder auf die gegenst�ndliche Ebene verwiesen und erkennt in den Motiven ihr eigentliches Wesen: verspielte Hochhausfassaden.
Eva Maria Wilde: Viele Anregungen habe ich eigentlich auf Reisen gefunden, oder nicht Anregungen, sondern auch Ideen. Die letzten Reisen waren �berwiegend nach Asien, nach Shangai, Hong Kong, Kuala Lumpur, in diese boomenden Gro�st�dte, wo eigentlich ohne Verstand gebaut wird, kann man schon fast sagen, wo sich ein Hochhaus ans andere reibt. Es gibt in Shangai sogar schon einen Hochhaus-Baustopp, weil die Erde sich senkt, die Hochh�user senken sich, das Niveau von Shangai geht abw�rts sozusagen. Und dort auf den Reisen habe ich sehr viele Fotos gemacht von Fassaden, Strukturen, also lauter Stadtstrukturen gesammelt.
Aus diesen Fassadenelementen entwirft sie ihre eigenen T�rme, ihre eigene kleine bunte Stadt, die in der Galerie m�llerdechiara mit allerdings nur f�nf t�rmen etwas spielzeughaft wirkt. Der Blick f�llt immer wieder durch die gro�e Fensterfront hinaus auf die Stra�e auf das Geb�ude der Volksb�hne, und man bekommt eine Ahnung, was hier noch h�tte enstehen k�nnen: ein Raum von dicht aneinander gedr�ngten Skulpturen, die die klaustrophobische Enge einer Millionenstadt und die Vielfalt ihrer Fassadenmischung abbildet, eine kleine Stadt in der Stadt.
m�llerdechiara plant mit Eva Maria Wilde eine Einzelausstellung, und darauf darf man gespannt sein.
4 und 4 � Claudia Wheeler �ber eine Ausstellung in der Galerie m�llerdechiara. Dort bis zum 1. April zu sehen, und zwar immer dienstags bis samstags, 12 bis 19 Uhr. m�llerdechiara finden Sie in der Weydingerstra�e 10 in Berlin-Mitte am Rosa-Luxemburg-Platz.
|