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Das MoMA kommt und kommt und kommt: Mit Sonderausstellungen beginnt schon jetzt in den Berliner Galerien die �American Season�
Von Michaela Nolte
W�hrend sich die deutsch-amerikanische Freundschaft auf dem politischen Parkett noch auf d�nnem Eis bewegt, stellt die hiesige Kunstwelt die Zeichen auf fr�hlingshaften Aufbruch. Das MoMA kommt und die Berliner Festspiele l�uten die �American Season� ein. Zu den Highlights der f�nf offiziell beteiligten Galerien z�hlt Rudolf Kicken, der die Pionierrolle des MoMA in der Fotografie w�rdigt und von n�chster Woche an gleich zwei Ausstellungen in Folge pr�sentiert (Liniensta�e 155, Part 1: ab 18. Februar). Auch die Galerie m�llerdechiara setzt auf transatlantischen Diskurs: Je vier Kuratoren aus New York und Berlin, darunter Shamim M. Momim, Ko-Kuratorin der diesj�hrigen Whitney Biennale, und Ute Meta-Bauer, Leiterin der Berlin-Biennale, pr�sentieren K�nstler ihrer Wahl. Das Augenmerk richtet sich auf die Rolle des Kurators im Kunstbetrieb (Weydingerstra�e 10, bis 1. April). In einer Podiumsdiskussion wird etwa hinterfragt, ob die kuratorische Vormachtstellung noch nennenswerte Unterschiede zwischen den USA und Deutschland zul�sst, und ob die Kunstwelt wirklich so international ist, wie sie sich gibt (15. Februar, 15 Uhr, Internationales Design Zentrum, Rotherstra�e 16).
Auch neben dem offiziellen Festspiel-Programm gibt es eine Reihe von Ausstellungen aus oder �ber Amerika. Zu dem Sehenswertesten z�hlt das neue Video der New Yorkerin Lorna Simpson in der GalerieWohnmaschine, das an ihre Documenta-Arbeit �31 2002� ankn�pft: Eine Kamera begleitet wieder zwei schwarze Frauen durch den Tag. Die Doppelprojektion �Corridor� (Preis auf Anfrage) ist als eindringliches Kammerspiel komponiert, das zwei Frauen � gespielt von einer Schauspielerin � in zwei Jahrhunderten zeigt. Kost�me, Licht und Musik setzen die Zeitzeichen: ruhige Klaviermusik, Kolonialstil und an fr�he Fotografien erinnerndes Sepia kontrastieren Jazz, strahlende Helligkeit und Pink in der Gegenwart. Fast k�nnte man glauben, die Hautfarbe sei sekund�r. Genau hier setzt Simpsons Vexierspiel ein. Wo ist die Verbindung zwischen den Frauen? Was sind das f�r H�user? Sind im mond�nen Ambiente der modernen Frau die Rassen- und Geschlechterkonflikte gel�st? Unversehens sitzt man in der Falle seiner eigenen Vorurteile. Im Gegensatz zu fr�heren Arbeiten verzichtet die K�nstlerin g�nzlich auf Sprache, an deren Stelle nun die Musik tritt. Hierin erf�hrt �Corridor� eine zus�tzliche Poesie, in deren Zwischenr�umen das Ungesagte Geschichten und Fragen evoziert. Antworten gibt Simpson keine; aber viele Wege, das Fragen wachzuhalten und sich der Fallen bewusst zu werden (Wohnmaschine, Tucholskystra�e 35, bis 14. M�rz).
Das transatlantische Beziehungsgeflecht beleuchtet die Ausstellung �Keim� in der Galerie Kamm anhand marginaler, aber durchaus erhellender Ereignisse. Cornelia Schmidt-Bleek schl�gt den Bogen von Adelbert von Chamisso, der 1816 den Kalifornischen Mohn nach Deutschland brachte, bis zu Milit�reinrichtungen, die in der Art botanischer Sammlungen die Flora und Fauna okkupierter Gebiete erforschen. �Camouflage� (2200 Euro) zeigt ein Tarnnetz ohne Tarnfarbe, und auch der Mohn wirkt bleich, mutiert zu riesenhaften Stoffblumen (500 bis 1200 Euro). Das Wei� hat seine Unschuld verloren. Ebenso bei Michael Stevenson, der eine tagespolitische Episode aus dem Jahre 2003 in eine hintersinnige Installation transformiert. Nachdem die Firma Keimfarben mit dem Anstrich des Pentagon beauftragt war, nutzte ein Republikaner aus Ohio den Tiefststand der deutsch-amerikanischen Beziehungen und entfachte eine Kampagne, an deren Ende die deutsche Traditionsfirma den Auftrag an ChemMasters aus Ohio abgeben musste. Stevenson � der sein Geburtsland Neuseeland auf der letzten Biennale in Venedig vertrat � pr�sentiert die Geschichte mit einer Zeichnung der Zeitung, in der die Debatte ausgefochten wurde und gro�formatigen Papierrollen mit dem Wei� beider Unternehmen (7500 Euro). Der Besucher darf sich ein St�ck vom jeweiligen Farbmuster abschneiden, doch Nuancen oder Differenzen erschlie�en sich dadurch kaum (Galerie Kamm, Almstadtstra�e 5, bis 27. M�rz).
Auch die Schweizer Konzeptk�nstlerin Barbara Caveng lie� sich f�r ihre Ausstellung in der DNA-Galerie von der Politik inspirieren. Am 11. September 2002 versicherten 500 amerikanische Soldaten auf dem Flugzeugtr�ger �Abraham Lincoln� dem amerikanischen Pr�sidenten ihre sofortige Bereitschaft, indem sie sich zu dem Schriftzug �Ready Now� formierten. Dieses �Soldatenbild� samt Kriegsmaschinerie prangt nun inmitten eines elf Quadratmeter gro�en Kn�pfteppichs, dessen Aufbau und Ornamentik dem Vorbild arabischer Gebetsteppiche folgt (Preis auf Anfrage). Am dazugeh�rigen Kn�pftisch, an dem im letzten Jahr rund 250 Menschen aus 53 Nationen gekn�pft haben, k�nnen Besucher die Portr�ts der Teilnehmer und deren Kurzbiografien einsehen. �ber Kopfh�rer kann man zudem den Gespr�chen lauschen, die sich w�hrend des Kn�pf-Marathons entwickelten. Heimat, sagt etwa Oliver aus den USA: �lauert hinter einem, wie der Teufel�. Cavengs eindrucksvolles Projekt kann ebenso als Statement gegen die Anonymit�t des Krieges gelesen werden, wie gegen den staatlich oder religi�s verordneten Kollektivismus. (DNA-Galerie, Auguststra�e 20, bis 16. Februar)
Abgeschirmt gegen Fremdeinwirkung geben sich amerikanische Siedlungen weitab des st�dtischen S�ndenpfuhls. Sicherheit ist die oberste Pr�misse dieser geschlossenen Communities, die Marc R�der im kalifornischen Niemandsland fotografiert hat. Gleichf�rmige Hochsicherheitstrakte f�r Gutbetuchte, streng abgez�unt und bewacht nach au�en, penibel reglementiert nach innen. Kameras �berwachen jede Bewegung, Fremde kommen nur mit Voranmeldung an den Wachposten vorbei. So tarnte sich R�der bisweilen als Kaufinteressent und griff zum Teleobjektiv, was den Fotografien (2050 bis 6500 Euro) einen flirrenden Kontrast von Sch�rfentiefe und Unsch�rfe verleiht. Die Stimmung kippt zwischen harmloser Modellbauwelt und der Unwirtlichkeit von Huxleys �Brave New World� (Galerie Berinson, Auguststra�e 22, bis 6. M�rz)
Bei aller kritischen Distanz ist der American Dream gerade f�r K�nstler noch lang nicht ausgetr�umt. Die Auseinandersetzung mit amerikanischen Vorbildern aber, allen voran der Minimal und Concept Art, ger�t in der gegenw�rtigen Kunstproduktion nicht mehr zum selbstreferentiellen Zitat, sondern erf�hrt eine subtile inhaltliche wie auch politische Dimension.
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