|
Laurie De Chiara und S�nke Magnus M�ller leiten Galerien in Berlin und
New York
Gefragt, ob sie auch privat ein Paar seien, lautet die Antwort: "Fast
ein Paar." Schlie�lich arbeite man viel zusammen und teile �hnliche
Ansichten. Laurie De Chiara und S�nke Magnus M�ller f�hren Besucher
lieber gleich zu ihrem gemeinsamen Interesse, der Kunst. Den
traditionellen Kunstbegriff dabei in Frage zu stellen, ist ihnen
wichtig. Wer in die Galerie der New Yorkerin und des Wahlberliners im
historischen Poelzig-Bau gegen�ber der Volksb�hne kommt, findet
Kulturarbeit im besten Sinne. Nicht der Glamour interessiert sie,
sondern der Dialog mit und �ber die K�nste, welche sich in
Grenz�berschreitung �ben.
So stellten sie unl�ngst J�rgen Mayer H. vor, der Architekt ist,
gleichzeitig aber auch K�nstler und Designer. Eine der Entdeckungen
der Saison. Die erste Berliner Einzelausstellung des italienischen
Malers Luca Pancrazzi, der dieses Medium mit Video und Installation
verbindet, d�rfte nicht minder interessant werden. Im "Babylon" baut
er demn�chst eine Skulptur auf, in der unsichtbare Kameras lauern. Die
�bertragen dann das Augenzwinkern der Kinog�nger in die benachbarte
Galerie.
Das Programm des Galeristenduos konzentriert sich auf konzeptuelle,
raumbezogene Avantgarde. Die aktuelle Ausstellung mit skandinavischen
K�nstlern, f�r die Laurie De Chiara schon vor Er�ffnung der Berliner
R�ume vor genau einem Jahr recherchierte, schielt dementsprechend
nicht prim�r auf den Verkaufsaspekt. "Die Galerie als Ideentanker",
sagt M�ller, "soll neue M�glichkeiten ausloten". Gesch�fte machen will
- und muss - man nat�rlich trotzdem.
Kennen gelernt haben sie sich bereits vor 14 Jahren. Die heute
36-J�hrige und ihr 37-j�hriger Partner waren damals noch Studenten der
Kunstgeschichte und beide Stipendiaten am Guggenheim-Museum in
Venedig. W�hrend sie als Kuratorin t�tig wurde und 1997 in Manhattan
ihre erste eigene Galerie er�ffnete, gr�ndete der Kunst- und
Bauhistoriker 1996 in Berlin das bureau m�ller.
Die angebotene kommunikative und organisatorische Dienstleistung im
Bereich Architektur und Stadtplanung wird heute aus dem B�ro der
Galerie fortgesetzt. So betreut man zum Beispiel auch Sammler aus
Amerika, die erst durch Berliner Galerien gef�hrt werden und
anschlie�end �ber die Biennale in Venedig. Die amerikanischen Kontakte
sind wichtig f�r die Galeristen. "In New York gibt es ein enormes
Interesse an Berlin", berichtet M�ller, der mit seiner Partnerin auch
vom Messestandort �berzeugt ist. An sieben Messen beteiligte sich das
Duo im vergangenen Jahr, sechs werden es 2003 sein.
Eine geht sogar auf den Mut, die Energie und die starken Nerven der
kleinen Frau mit der gro�en Gelassenheit zur�ck, die nach dem Anschlag
vom 11. September und der folgenden Verschiebung der ersten Art Basel
Miami Beach eine Alternative ins Leben rief - die "Fast Forward
Miami", heute "Scope". "Man muss rausgehen, um sich zu profilieren",
lautet die Devise. So nahm die frisch gebackene Galeristin aus New
York 1997 auch gleich am Berliner Art Forum teil. Ihren heutigen
Partner engagierte sie damals als Helfer.
Zur Zeit genie�t Laurie De Chiara das langsamere Tempo und die gr��ere
Lebensqualit�t von Berlin, denn Konkurrenzdruck und Stress seien in
ihrer Heimat gr��er. "Die Leute sind sehr ernsthaft hier, diskutieren
gern und nehmen sich Zeit. Die Amerikaner sind schneller, kaufen, ohne
gro� nachzudenken."
Den Freiraum, der sich hier bietet, wei� das Paar zu nutzen. Mit zw�lf
Ausstellungen j�hrlich sind die beiden auch jenseits der Messen in New
York, London, Bologna, Paris und K�ln vor Ort pr�senter als mancher
Kollege. Wie sie es denn anstellen, an so viel Kunst zu kommen, dass
sie all ihre Messest�nde und die Ausstellungen in ihren Galerien
best�cken k�nnen? "Manchmal muss man ein bisschen peitschen", meint
er. Als Kuratorin wirft Laurie De Chiara gern den Blick auf ferne
L�nder. Die Idee zur Schau "Nostalgic Real" mit elf Skandinaviern, die
sich in den Medien Skulptur, Zeichnung, Malerei, Fotografie, Video und
Installation mit der Tradition des Geschichten Erz�hlens
auseinandersetzen, stammt von ihr: "In Amerika will man alles kennen
lernen, ich wollte den Norden begreifen, verstehen, was ich nicht
kannte."
Von 550 Euro f�r eine Zeichnung der jungen Schwedin Tyra von
Zweigbergk, �ber je 5000 Euro f�r die formsch�nen Keramikskulpturen
von Nils Erik Gjerdevik, bis 14 500 Euro f�r zwei gro�formatige
Farbfotografien (Edition: 10 + 2 AP) der Dokumenta-Teilnehmerin Eija
Liisa Ahtila reichen die Preise. Jens F�nges surreale Gem�lde, die an
einen modernen Magritte denken lassen, verkauften sich am schnellsten
(4500-5500 Euro). Galerie m�llerdechiara, Weydinger Str. 10 (am
Rosa-Luxemburg-Platz); bis 29. M�rz. Di-Sa 12-19 Uhr.
von Corinna Daniels
|