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Die Ausstellung "Nostalgic Real" in der Galerie m�llerdechiara
In den letzten zehn Jahren war nicht zu �bersehen, dass sich die erfolgreichsten K�nstler aus dem hohen Norden von ihren dunklen Ahnen Munch und Strindberg befreit hatten. Kunst aus Skandinavien erschien hell, klar und gewitzt. Daf�r stehen Olav Christopher Jenssen, A. K. Dolven, Olafur Eliasson und auch Dragset & Elmgren. "Nostalgic Real" bei m�llerdechiara kn�pft mit elf K�nstlern aus Skandinavien an die Klischees des dunklen und mystischen Nordens wieder an. Und man erinnert sich an den Maler und Kritiker Hans Platschek, der meinte, er f�rchte "Deutobolde, Symbolowitsche und Mystifitschinskys" nicht wegen ihrer Virtuosit�t, das Dunkle noch dunkler zu machen, sondern wegen ihrer Sehnsucht, sich im Unverstandenen wohl zu f�hlen. Diese Nostalgie tr�gt die Schau.
Die K�nstlerinnen Ann-Sofi Sid�n und Ejia Liisa Ahtila � letztere mit zwei Fotos eines Geh�fts in der D�mmerung f�r 14 500 Euro vertreten � hatten die Bewegung ins Finstere vor einigen Jahren eingeleitet. Von ihnen sah man zwar keine "Seelenlandschaften", aber fiebrige Varianten menschlicher Isolation. Der Blick richtete sich auf die Gesellschaft und sah �dnis, Leere, Trauer wie die Urgro�v�ter in Landschaften und Portr�ts � nun aber als Videoprojektion in dunklen Kammern: veritable Psychokisten.
Dazu passt die Figur des Doppelg�ngers. Matts Leiderstamm kopierte zwei Gem�lde des R�ckenakts eines Hermaphroditen in d�sterer Landschaft (8000 Euro). Maria Hedlund r�ckt den Dingen mit der Kamera so dicht zu Leibe, dass zwei Sessel wie Abgr�nde wirken (10 000 Euro). Ann�e Olofsson zeigt den R�cken einer Figur, die in dasselbe dunkle Muster gekleidet ist wie der Teppich, auf dem sie steht (8500 Euro). Der Grundton t�nt gleichbleibend in Moll.
In einer psychoanalytischen Deutung hatte der Kunsttheoretiker Thomas McEvilley die Figur-Grund-Beziehung mit der Ich-Welt-Beziehung verbunden. Werke, die die Figur im dunklem Hintergrund fast aufheben, dr�ckten das Selbstverst�ndnis der K�nstler aus, sich im Allgemeinen aufzul�sen. Solche K�nstler suchen Sicherheiten und Retro-Tendenzen. Diese steile These gewinnt er analog zur pr�genden Erinnerung eines S�uglings, der aufgehoben an der Mutterbrust schl�ft. Werke hingegen, die eine klare, scharfe Trennung von Figur und Grund betonen, zeigten den Drang, sich auszusetzen und Neues zu suchen. In "Nostalgic Real" schl�ft fast alles an der Mutterbrust.
Manches s�he aber in anderem Kontext anders aus. Elina Brotherus beobachtet mit der Kamera eine blonde Frau vor dem Badezimmerspiegel, w�hrend sich sehr langsam Wasserdampf auf dem Spiegel niederschl�gt und das Gesicht verschleiert. Keine gro�e Sache, aber ein eindr�ckliches Bild, von dem man noch nicht wei�, welche Frage es beantwortet (5500 Euro). Niels Erik Gjerdeviks wie Teig verflie�ende Keramikformen sind Verballhornungen des rechten Winkels. Doch im Zusammenhang von Nostalgie sacken sie in sich zusammen und hauchen ihren Witz aus (5000 Euro).
Peter Herbstreuth
m�llerdechiara, Weydingerstra�e 10, bis 29. M�rz; Dienstag bis Sonnabend 12�19 Uhr.
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